|
Herrentunnel: Maut wird teurer statt billiger
LÜBECK -
Ein
Jahr nach der Eröffnung des Lübecker Herrentunnels steigen die
Benutzungsgebühren deutlich: Vom 1. Oktober an zahlen Auto- und
Motorradfahrer statt 90 Cent 1,10 Euro für die 2125-Meter-Strecke.
Grund ist die drohende finanzielle Schieflage bei den privaten
Betreibern. Nach dem Motto "Lieber Umwege als Maut" wird der Tunnel
gemieden. Eine Stimmung, unter der auch der Rostocker Warnowtunnel
leidet und die möglicherweise weitere Verkehrsprojekte bedroht.
Erst
im Verlauf der Gespräche sei die ganze Dramtik der Fehlkalkulation
deutlich geworden, sagte Schleswig-Holsteins Verkehrsminister Dietrich
Austermann (CDU) gestern. Die Investoren hatten mit 35 000 Fahrzeugen
täglich gerechnet, derzeit wird die Zahl der Tunnel-Nutzer mit 21 000
angegeben. Ob eine Maut-Erhöhung das richtige Mittel gegen die
Finanzlücke ist, ist jedoch umstritten. Auch Austermann, dessen
Ministerium für die Genehmigung der Mauthöhe zuständig ist, hatte sich
bis vor wenigen Tagen für eine Gebührensenkung ausgesprochen, um den
Herrentunnel attraktiver zu machen. Mit der Maut muss der knapp 180
Millionen Euro teure Tunnelbau refinanziert werden, den zur Hälfte der
Bund, zur anderen Hälfte die Firmen Hochtief sowie Bilfinger+Bilfinger
bezahlt haben. Die Konzession ist zunächst auf 30 Jahre vergeben,
möglicherweise muss sie ähnlich wie in Rostock verlängert werden.
Innerhalb
der nächsten sechs Monate soll eine Arbeitsgruppe mit Vertretern von
Betreibern, Lübecker Verwaltung und Verkehrsministerium ein Konzept für
eine benutzerfreundliche Maut entwickeln. Dahinter steckt auch die
Sorge, dass die schlecht laufenden Tunnelgeschäfte Investoren für
andere Verkehrsprojekte abschrecken könnten. Das gilt für die von der
Landesregierung in Kiel gewollte Fehmarnbeltquerung oder die
A-20-Elbquerung bei Glückstadt. Warnendes Beispiel könnte der
britisch-französische Eurotunnel sein, dessen Betreiber Insolvenz
anmelden mussten.
kim, HA
erschienen am 29. August 2006
|
 |